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Fachleistungsstunde

Fachleistungsstunden können für die Leistungserbringung im ambulanten Bereich der Eingliederungshilfe im Rahmen von § 53,54 SGB XII mit den Leistungsträgern vereinbart werden. Sie wurden zunächst schwerpunktmäßig im Bereich der Jugendhilfe entwickelt (z. B. Sozialpädagogische Familienhilfe SpFh), finden jedoch zunehmend Anwendung in allen Bereichen der sozialen Dienstleistungserbringung. Der Inhalt einer Fachleistungsstunde ist präzise im Rahmen der Leistungsvereinbarung zu definieren.
Der Preis einer Fachleistungsstunde muss alle betrieblichen Kosten decken, die zur Leistungserbringung erforderlich sind; hierzu gehören u.a. Kosten zur Vor- und Nachbereitung, Dokumentation, Vertretung, Ausfall, Verwaltungs- sowie Regiekosten, Fortbildung, sowie Sachkosten (Raum, Telefon, Ausstattung, Material etc.). Fahrtkosten (An- und Abfahrtskosten) werden in der Regel gesondert vereinbart. Man unterscheidet zwischen den direkten Kosten (Face-to-Face) und den indirekten Kosten. Die indirekten Kosten wiederum werden oftmals unterschieden in „fallspezifische“ und „fachspezifische“ Aktivitäten.


Zu den fachspezifischen Kosten zählen z.B. Praxisberatung, Teamsitzungen, Arbeitsgemeinschaften etc., fallspezifische Aktivitäten umfassen Hilfeplankonferenzen, Behördenkontakte, Fehlbesuche, Dokumentation, Vor- und Nachbereitung sowie Berichtswesen. Die Fachleistungsstunde geht von einer „Nettoarbeitszeit“ eines Mitarbeiters aus. Sie definiert die tatsächlichen Leistungsstunden, die ein Mitarbeiter jährlich abzgl. Urlaub, Krankheit, Fortbildung durchschnittlich netto zur Verfügung steht. Eine Möglichkeit zur Ermittlung von Anhaltswerten sind die Tabellen der KGST (Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung). Die KGST legt für unterschiedliche Berufsgruppen Anhaltswerte fest, die regelmäßig aktualisiert werden und für die kommunalen Leistungsträger als Grundlage für Verhandlungen anerkannt werden. Außerdem gibt es Werte vom Bundesministerium für Finanzen. Diese finden sich unter dem Stichwort Jahresarbeitszeit. Hier werden auch Durchschnittssätze verschiedener Berufsgruppen im Rahmen einer Personalkostentabelle festgelegt, die für den Abschluss einer Leistungsvereinbarung nicht überschritten werden sollen. Um die Kosten für eine Fachleistungs-stunde zu berechnen, ist die Jahresgehaltssumme durch die jährliche Nettoarbeitszeit zu dividieren.


Beispielrechnung:
     a) Personalkosten
          tarifliche Lohnkosten einer sozialpädagogischen Fachkraft (E 9 TVöD)
          + 10 % tarifliche Lohnkosten für Leitungsfunktionen (E 11 TVöD)
          + 20 % tarifliche Lohnkosten für Verwaltungskraft (E 6 TVöD)
          a. ) = Personalkosten
      b) + Sachkosten (10 %-15% der Personalkosten)
      c) = Gesamtkosten (Gesamtkosten / persönliche Jahresbetreuungszeit                 (Std.) = Entgelt für Fachleistungsstunde)


Hinweise:

  • AFET (Bundesverband für Erziehungshilfe e.V.), Georgstr. 26 in 30159 Hannover (sihttp://www.afet-ev.de/index.php)
  • „Benutzerhinweise Kalkulation ambulante Leistungen“ beim Landesverband Nds.
  • Rahmenverträge nach § 78 f SGB VIII für Niedersachsen

Stand: 01.02.2014

 
 
 

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